Sa., 29. August 2026
Bitcoin28. August 2026

Quantensichere Bitcoin-Transaktion: was sie kann, was nicht

In Block 964.199 steckt die erste Bitcoin-Transaktion mit quantensicherer Signatur. Ohne Softfork – und ohne dass deine Coins dadurch sicherer werden.

Artikelbild für: Quantensichere Bitcoin-Transaktion: was sie kann, was nicht

Am 26. August 2026 wurde in Block 964.199 die erste Bitcoin-Transaktion bestätigt, die mit einer quantensicheren Signatur autorisiert wurde. Ein Softfork war dafür nicht nötig. StarkWare, das die Methode gebaut hat, sagt selbst dazu: Bitcoin ist damit nicht quantensicher – und das ist der wichtigste Satz der ganzen Meldung.

Was genau passiert ist

Die Transaktion trägt die ID 305a24ff…ab07, ist 1.403 Byte groß und bewegte 44.000 satoshi. Sie hatte zwei Inputs, über 39.179 und 10.000 satoshi, und zahlte 5.179 satoshi an Gebühren.

Die Autorisierung kam nicht von der üblichen ECDSA-Signatur, sondern von Quantum Safe Bitcoin (QSB), einem Schema von Avihu Levy bei StarkWare. QSB nutzt eine hashbasierte Einmalsignatur und bindet sie an genau eine Transaktion. Der Kniff steckt in dem, was danach passieren muss: Offchain wird so lange über Sequence- und Locktime-Werte gesucht, bis der RIPEMD-160-Hash des Ganzen aussieht wie eine gültige, DER-codierte ECDSA-Signatur. Bitcoin sieht also etwas, das es wiedererkennt, während die Sicherheit auf der Preimage-Resistenz des Hashs beruht statt auf elliptischen Kurven.

Dieses Suchen kostet Zeit und Strom: laut den Beteiligten mehrere Stunden und 150 bis 200 Dollar an Rechenleistung für diese eine Transaktion.

Warum die normalen Nodes sie nicht weitergereicht haben

Die Transaktion hat eine nicht standardkonforme Form. Bitcoin-Nodes reichen solche Transaktionen nicht weiter, auch wenn sie nach den Konsensregeln gültig sind. Sie kam deshalb über Slipstream in einen Block – den Dienst von MARA Pool, mit dem sich eine Transaktion direkt bei einem Miner einreichen lässt.

Dieses Detail ist keine Fußnote. Es bedeutet: Diese Methode funktioniert heute nur, wenn ein Miner bereit ist, deine Transaktion aufzunehmen – nicht weil das Netzwerk sie akzeptiert, sondern weil eine einzelne Partei sie hineinsetzt.

Was sie nicht leistet

StarkWare formuliert es selbst am schärfsten: QSB macht Bitcoin nicht quantensicher. Der Schutz gilt nur für Coins, die zuerst auf so einen speziellen Output verschoben und danach von dort ausgegeben werden. Wer schlicht ECDSA- oder Schnorr-Adressen nutzt, fällt nicht darunter. Und ein öffentlicher Schlüssel, der bereits auf der Chain sichtbar ist – bei jeder Adresse, von der jemals ausgegeben wurde –, profitiert ebenso wenig davon.

Levy nennt dazu noch zwei weitere Grenzen: Das Schema skaliert nicht auf die Nutzerzahlen, die Bitcoin erwartet, und für das Lightning Network ist es unpraktikabel.

CEO Eli Ben-Sasson beschreibt es als Sicherheitsnetz, solange der Schutz auf Protokollebene noch gebaut wird. Das ist ein ehrlicherer Rahmen als „Bitcoin ist jetzt quantensicher“ – eine Überschrift, die diese Woche auf mehr als einer Seite stand.

Der Weg, der wirklich zählt: BIP-360

Schutz für alle läuft über das Protokoll, nicht über einzelne Transaktionen. Der Vorschlag, der dafür auf dem Tisch liegt, ist BIP-360: ein Softfork, der einen Pay-to-Merkle-Root-Outputtyp einführt und den quantenanfälligen Key-Path-Spend von Taproot herausnimmt.

Das erfordert netzwerkweite Koordination, und genau deshalb geht es langsam. Ein Softfork ändert die Regeln für alle; eine Transaktion wie diese ändert die Regeln für niemanden.

Was das für deine Coins bedeutet

Konkret: An dem, was du selbst tun musst, ändert sich heute nichts. Die Risikoverteilung, die schon vorher galt, gilt weiterhin.

Entscheidend ist die Frage, ob dein öffentlicher Schlüssel sichtbar ist. Bei einer Adresse, von der noch nie ausgegeben wurde, steht nur ein Hash deines öffentlichen Schlüssels auf der Chain. Bei einer Adresse, von der du bereits ausgegeben hast, steht der öffentliche Schlüssel sichtbar darin. Diese zweite Gruppe ist bei einem künftigen Quantenangriff die verwundbare Gruppe.

Adress-Wiederverwendung ist also keine Frage der Ordentlichkeit, sondern eine Risikoentscheidung. Das gilt schon heute, unabhängig von dieser Meldung.

Und nein: Eine Hardware-Wallet ändert daran nichts. Sie schützt deinen Schlüssel vor Malware auf deinem Rechner, nicht vor Mathematik. Wer etwas anderes behauptet, verkauft dir etwas.

FAQ

Sind meine Bitcoins jetzt quantensicher?

Nein. Diese Transaktion schützt nur die Coins, die dorthin verschoben wurden und die von dort ausgegeben werden. Für den Rest des Netzwerks ändert sich nichts.

Muss ich meine Coins jetzt verschieben?

Nein. Die Methode ist nicht standardkonform, kostete 150 bis 200 Dollar an Rechenleistung für eine einzige Transaktion und brauchte einen Miner, der sie direkt entgegennahm. Es gibt heute keine Wallet, die das für dich erledigt.

Hilft eine Hardware-Wallet gegen Quanten?

Nein. Eine Hardware-Wallet hält deinen privaten Schlüssel von deinem Rechner fern. Ein Quantencomputer, der aus einem sichtbaren öffentlichen Schlüssel den privaten Schlüssel ableitet, braucht dein Gerät nicht.

Wann ist denn Q-Day?

Dafür gibt es kein Datum, nur Schätzungen, die weit auseinanderliegen. Wir haben schon früher zusammengetragen, wie real die Bedrohung durch den Q-Day ist und was nötig ist, bevor sie praktisch wird.

Machen andere Chains das schon?

Sui hat im August quantenresistente Signaturen aktiviert. Bei einer jüngeren Chain ist das einfacher: Bitcoin muss mit Regeln auskommen, die seit 2009 gelten und die sich nicht einfach ändern lassen.

Quellen

Beide Quellen zuletzt geprüft am 29. August 2026. Blockhöhe, Transaktions-ID, Beträge und die Aussagen von StarkWare stimmen in beiden überein; das Datum der Bestätigung (26. August) steht bei The Defiant.

Früher zu diesem Thema: Wall Street rüstet Bitcoin mit 15 Millionen Dollar gegen Quanten.

#bitcoin#quantum#starkware#beveiliging#bip-360