Sui schaltet quantensichere Signaturen frei
Sui ergänzt zwei vom NIST zugelassene Signaturverfahren: ML-DSA-65 für gewöhnliche Transaktionen und SLH-DSA für Tresore mit großen Beträgen. Deine Wiederherstellungsphrase und deine Adresse bleiben gleich. Der Rollout läuft bis ins erste Quartal 2027.
Sui hat am 6. August 2026 angekündigt, zwei vom amerikanischen Normungsinstitut NIST zugelassene Signaturverfahren in das Netzwerk aufzunehmen. Damit ist Sui eine der ersten großen Blockchains, die das nicht als Forschung präsentiert, sondern als etwas, das Nutzer demnächst selbst einschalten können.
Das Problem, um das es geht, heißt harvest now, forge later — heute einsammeln, später fälschen. Sobald du eine Transaktion ausführst, steht dein öffentlicher Schlüssel für immer in der Blockchain. Wer ihn heute sammelt und in zehn Jahren einen Quantencomputer besitzt, kann daraus noch immer den passenden privaten Schlüssel ableiten. Eine Untersuchung von Google Quantum AI aus dem März 2026 schätzte, dass so etwas auf einer fehlerkorrigierenden Maschine mit weniger als einer halben Million physischer Qubits binnen Minuten gelingen würde.
Zwei Verfahren für zwei Einsatzzwecke
Für den täglichen Zahlungsverkehr setzt Sui auf ML-DSA-65, den Standard aus FIPS 204, und zwar auf Sicherheitsstufe 3 statt der günstigeren Stufe 1. Die Verifizierungsgeschwindigkeit entspricht laut Sui der von Ed25519, dem derzeit genutzten Verfahren, sodass das Netzwerk dadurch nicht teurer wird.
Für Tresore mit großen Beträgen kommt SLH-DSA-SHA2-128s aus FIPS 205, verarbeitet innerhalb von Move-Verträgen. Dieses Verfahren ist langsamer und schwerfälliger, aber die Mathematik dahinter ist besser verstanden — ein vernünftiger Tausch, wenn es um Beträge geht, die du jahrelang liegen lässt.
Deine Adresse bleibt
Das ist der praktische Teil. Die privaten Schlüssel werden aus deiner bestehenden Wiederherstellungsphrase abgeleitet, und ein Konto lässt sich auf quantensichere Schlüssel umstellen, ohne dass sich Adresse oder Bestände ändern. Kein erzwungener Umzug also und keine neuen Adressen, die du überall durchgeben musst.
Hinzu kommt: Das Ganze ist opt-in. Wer nichts tut, macht weiter wie bisher.
Der Fahrplan erstreckt sich über anderthalb Jahre. Noch 2026 kommen die quantensicheren Tresore auf das Mainnet. Bis Ende dieses Jahres stehen ML-DSA-65-Konten auf dem Testnet bereit, im ersten Quartal 2027 folgt die eingebaute Kontoauthentifizierung auf dem Mainnet. Sui folgt dabei dem gemeinsamen Stufenplan von CISA, NSA und NIST.
Wie das ins Gesamtbild passt
Das steht nicht für sich. Ende Juli legten neun Wall-Street-Häuser 15 Millionen Dollar (rund 13,1 Millionen Euro) für die Erforschung eines quantensicheren Bitcoin auf den Tisch, und die europäischen Aufsichtsbehörden nannten am 31. Juli die Migration zu quantensicherer Verschlüsselung ausdrücklich in ihrer Erklärung zum IKT-Risiko.
Der Unterschied: Sui ist ein kleineres und jüngeres Netzwerk und kann deshalb schneller umschalten. Bitcoin zu verändern verlangt Konsens unter Tausenden Node-Betreibern; dort dauert so ein Umbruch Jahre länger.
Was dir das bringt
Du musst jetzt nichts tun, und das ist die ehrlichste Zusammenfassung. Es gibt keinen Quantencomputer, der das kann, und der erste Schritt von Sui ist opt-in und erreicht erst Ende dieses Jahres das Testnet.
Was zählt, ist die Frage, die du jedem Netzwerk stellen kannst, auf dem du etwas langfristig hältst: Gibt es einen Migrationspfad, und lässt er sich gehen, ohne dass du deine Adressen verlierst? An dieser zweiten Bedingung scheitert es meistens. Ein Netzwerk, das dich zu neuen Adressen zwingt, zwingt jeden zum Handeln, der deine Adresse kennt.
Und die nüchterne Anmerkung: Die Wiederverwendung von Adressen ist schon heute das größte Risiko. Eine Adresse, deren öffentlicher Schlüssel nie offengelegt wurde, ist auch ohne quantensichere Signaturen besser geschützt. Das lässt sich sofort regeln, mit einem Wallet, das für jede Transaktion eine neue Adresse verwendet.
Quellen: Sui (Ankündigung 6. August 2026), Google Quantum AI (Untersuchung März 2026), Crypto Briefing, NIST (FIPS 204 und FIPS 205). Zuletzt geprüft: 9. August 2026.
