OUSD ist live: Was erlaubt MiCA in der EU?
Open USD ist ein Dollar-Stablecoin von Bridge (Stripe), unterstützt von Coinbase, Mastercard, Shopify und Visa. Was MiCA vor einem EU-Angebot verlangt.
Open USD (OUSD) ist am 30. September 2026 gestartet: ein Dollar-Stablecoin, herausgegeben von Bridge (im Besitz von Stripe), mit Coinbase, Mastercard, Shopify, Stripe und Visa als Gründern. Er richtet sich an Unternehmen. Für Nutzer in der EU gilt MiCA: Ein Dollar-Stablecoin darf hier nur mit einem eigenen Whitepaper pro Token im ESMA-Register angeboten werden.
Was ist Open USD genau?
OUSD ist ein Stablecoin, der 1:1 an den US-Dollar gekoppelt ist. Das Projekt stammt von Open Standard, einem Unternehmen, das Coinbase, Mastercard, Shopify, Stripe und Visa gegründet haben. Die fünf haben zusammen mehr als 1 Mrd. US-Dollar (rund 891 Mio. Euro) an Startliquidität zugesagt.
Wie viele Unternehmen mitmachen, hängt von der Quelle ab: Open Standard spricht von mehr als 200 Partnern, Bloomberg von mehr als 100, American Banker von mehr als 140. Darunter sind Banken wie BNY und U.S. Bank.
Der Token läuft auf vier Blockchains: Ethereum, Base (von Coinbase), Solana und Tempo (eine neue, von Stripe unterstützte Blockchain).
Wer gibt OUSD heraus?
Emittent ist Bridge Building Inc., das Stablecoin-Unternehmen, das Stripe übernommen hat. Open Standard ist die Marke und das Netzwerk; Bridge erzeugt die Token und verwaltet die Reserve. Das sollte man im Hinterkopf behalten: Das Konsortium ist breit aufgestellt, die Ausgabe liegt aber bei einem einzigen Unternehmen aus einem einzigen Konzern.
Welcher Aufsicht unterliegt OUSD in den USA?
Bridge Building Inc. ist in den USA als Geldübermittler mit bundesstaatlichen Lizenzen tätig (NMLS-Nummer 2450917). Am 12. Februar 2026 erteilte die US-Bankenaufsicht OCC Bridge eine vorläufige Genehmigung zur Gründung einer nationalen Treuhandbank, der Bridge National Trust Bank.
Diese Bank ist noch nicht in Betrieb. Bridge schreibt selbst, dass die vorläufige Genehmigung keine endgültige Zulassung ist und nicht dazu berechtigt, OUSD nach dem GENIUS Act auszugeben – dem US-Stablecoin-Gesetz vom Juli 2025. Kurz gesagt: Die Bankenaufsicht auf Bundesebene, auf die OUSD hinarbeitet, gibt es noch nicht.
Wie funktioniert die Reserve, und wer verdient daran?
Jedem OUSD muss ein Dollar gegenüberstehen. Laut Open Standard werden die Reserven bei BlackRock, Lead Bank und BNY gehalten. Angekündigt sind monatliche Attestierungen, also Prüfungen durch eine externe Stelle, ob die Reserve vorhanden ist.
Der Unterschied zu USDC und USDT liegt darin, wer die Zinsen auf diese Reserve erhält. Bei den meisten Stablecoins behält der Emittent die Erträge aus den Staatsanleihen. Bei OUSD fließen sie an die Unternehmen im Netzwerk – im Verhältnis dazu, wie viel OUSD sie in Umlauf bringen und wie viele Transaktionen sie anstoßen. Zusätzlich erhalten die Partner Anteile an Open Standard.
Wichtig für Privatanleger: Diese Vergütung ist für Partnerunternehmen bestimmt, die ihr Guthaben bei Bridge halten. Wer selbst OUSD in einer Wallet hat, bekommt vom Emittenten keine Zinsen.
Wer kann OUSD erzeugen und zurücktauschen?
Nur Unternehmen, und zwar über vier Wege: Stripe, Visas Stablecoin Platform, BVNK (im Besitz von Mastercard) und Coinbase (seit dem 1. Oktober). Erzeugen und Zurücktauschen gegen Dollar erfolgen 1:1 und gebührenfrei. Open Standard verdient an einer kleinen Transaktionsgebühr.
Privatanleger kommen über den Handel an OUSD. Zum Start nannten mehrere Quellen Coinbase, Kraken und die dezentrale Börse Uniswap als Handelsplätze. Ob das auch für Kunden in der EU gilt, hängt von der EU-Gesellschaft der jeweiligen Börse ab (siehe unten).
Kann man OUSD in der EU nutzen?
Hier liegt der Unterschied zwischen einem Unternehmen mit Zulassung und einem Token, der angeboten werden darf.
Nach MiCA ist ein Stablecoin, der an eine einzige Fiat-Währung gekoppelt ist, ein E-Geld-Token (EMT). Ein solcher Token darf in der EU nur dann öffentlich angeboten oder zum Handel zugelassen werden, wenn:
- der Emittent ein Kreditinstitut oder ein E-Geld-Institut mit EU-Zulassung ist und
- für genau diesen Token ein Whitepaper bei der zuständigen Behörde übermittelt und veröffentlicht wurde (Artikel 48 MiCA).
Die ESMA verlangte von Kryptoplattformen in der EU (CASPs), Stablecoins, die diese Anforderungen nicht erfüllen, spätestens bis Ende März 2025 aus dem Angebot zu nehmen. Seitdem unterscheidet sich das Stablecoin-Angebot für EU-Kunden von dem in anderen Regionen.
Was steht im ESMA-Register über Bridge?
Bridge hat eine europäische Tochter: die Bridge Building S.A. in Luxemburg, beaufsichtigt von der CSSF. Im ESMA-Register (Stand: 30. September 2026) ist dieses Unternehmen zweimal eingetragen:
- Als Krypto-Dienstleister (CASP), seit dem 29. Juni 2026, unter anderem für Verwahrung, Tausch gegen Geld und Transfers, mit Passporting in 29 Länder, darunter Deutschland.
- Als Emittent von E-Geld-Token, seit dem 23. Juli 2026, mit einem einzigen Whitepaper: für EURR, den Euro-Stablecoin, den Bridge für Revolut herausgibt.
Bridge darf in der EU also E-Geld-Token ausgeben. Ob OUSD in der EU angeboten werden darf, hängt von einem eigenen Whitepaper für OUSD ab. Das können Sie selbst nachprüfen: Öffnen Sie das EMT-Register der ESMA und suchen Sie nach „Bridge Building S.A.“ und „OUSD“. Das Register wird wöchentlich aktualisiert. Wie Sie das prüfen, erklären wir auf unserer Seite zu MiCA.
Was sollten Sie prüfen, bevor Sie OUSD annehmen oder kaufen?
- Der Token: Ist ein OUSD-Whitepaper im EMT-Register der ESMA eingetragen?
- Die Plattform: Hat die Börse oder App eine MiCA-Zulassung? Das prüfen Sie in unserer Übersicht der MiCA-Zulassungen.
- Die Gesellschaft: Kaufen Sie bei der EU-Gesellschaft der Börse oder bei einer Niederlassung außerhalb der EU? Nur die EU-Gesellschaft unterliegt MiCA.
- Die Blockchain: Senden Sie OUSD nur über ein Netzwerk, das Absender und Empfänger beide unterstützen. Eine Überweisung über das falsche Netzwerk kann verloren gehen.
Wie schneidet OUSD im Vergleich zu USDC und EURC ab?
Zwei Stablecoins von Circle sind sehr wohl als E-Geld-Token im ESMA-Register eingetragen: USDC (Dollar) und EURC (Euro). Beide werden in der EU von der Circle Internet Financial Europe SAS in Frankreich ausgegeben.
Die letzte Zeile ist kein Zufall: Artikel 50 MiCA verbietet Emittenten und Kryptoplattformen, Zinsen auf E-Geld-Token zu gewähren. Das gilt für jeden EMT, der in der EU angeboten wird.
Für Euro-Nutzer gibt es noch einen Unterschied. OUSD und USDC sind Dollar: Fällt der Dollar gegenüber dem Euro, sinkt Ihr Guthaben in Euro mit. Am 2. Oktober 2026 lag der EZB-Referenzkurs bei 1 Euro = 1,1225 US-Dollar. EURC hat dieses Wechselkursrisiko nicht. Wie sich Euro-Stablecoins seit MiCA entwickeln, lesen Sie in Stablecoins unter MiCA: Euro-Stablecoins werden zum Standard.
Welche Risiken gibt es?
- Die Erträge gehen nicht an Sie. Das Modell belohnt Unternehmen, die OUSD verbreiten. Als privater Inhaber sind Sie daran nicht beteiligt.
- Die Bundesaufsicht steht noch nicht. Die OCC-Genehmigung für die Bridge National Trust Bank ist vorläufig; für die endgültige Zulassung gibt es keine feste Frist.
- Ein einziger Emittent. Open Standard hat fünf Gründer mit jeweils gleichem Anteil, Ausgabe und Reserve liegen aber bei Bridge, das zu Stripe gehört.
- Neue Infrastruktur. Tempo ist eine neue Blockchain. Eine neue Chain hat weniger Nutzungshistorie als Ethereum oder Solana.
- Die Attestierungen stehen noch aus. Die monatlichen Prüfungen der Reserve sind angekündigt; zum Start gab es noch keine Reihe, auf die man zurückblicken konnte.
Für wen ist OUSD nicht gedacht?
Für Privatpersonen in der EU, die einen Stablecoin zum Sparen oder Bezahlen in Euro suchen. OUSD ist für Unternehmen gebaut, die Dollar über Grenzen hinweg bewegen: Zahlungsdienstleister, Lohnabrechner, Banken. Wer in der EU einen Stablecoin bei einer Plattform mit MiCA-Zulassung nutzen möchte, beginnt am besten mit den Token, die bereits im ESMA-Register stehen, und mit einer Plattform aus unserem Vergleich.
Über die Visa-Plattform, auf der OUSD als erster Token läuft, haben wir bereits berichtet: Visa startet Plattform, mit der Banken Stablecoins ausgeben.
Dieser Artikel dient der Information und ist keine Anlage- oder Rechtsberatung.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich OUSD in Deutschland kaufen?
Das hängt von zwei Dingen ab: ob ein OUSD-Whitepaper im EMT-Register der ESMA steht und ob die Börse, bei der Sie kaufen möchten, OUSD über ihre EU-Gesellschaft anbietet. Der Emittent Bridge verfügt in Luxemburg über eine EU-Zulassung als E-Geld-Institut und als Krypto-Dienstleister. Im Register vom 30. September 2026 ist bei Bridge ein einziges Whitepaper eingetragen, für den Euro-Stablecoin EURR.
Bekomme ich Zinsen, wenn ich OUSD halte?
Nein. Die Erträge aus der Reserve gehen an Partnerunternehmen im Open-Standard-Netzwerk. In der EU verbietet Artikel 50 MiCA außerdem, dass Emittenten und Kryptoplattformen Zinsen auf E-Geld-Token gewähren.
Was ist der Unterschied zwischen OUSD und USDC?
Beide sind Dollar-Stablecoins. USDC wird in der EU von der Circle Internet Financial Europe SAS ausgegeben und ist als E-Geld-Token im ESMA-Register eingetragen. Bei OUSD gehen die Erträge aus der Reserve an die Unternehmen, die OUSD verbreiten, nicht an den Emittenten.
Wer verwahrt die Dollar hinter OUSD?
Laut Open Standard liegen die Reserven bei BlackRock, Lead Bank und BNY. Der Emittent Bridge hat monatliche Attestierungen durch eine externe Stelle angekündigt.
Auf welchen Blockchains gibt es OUSD?
Auf Ethereum, Base, Solana und Tempo.
Quellen: Bridge: OUSD is live, issued by Bridge, CoinDesk, The Paypers, American Banker, Unchained, Payments Dive, Vorläufiges MiCA-Register der ESMA (EMT-Emittenten und CASPs, Stand 30.09.2026), ESMA und Europäische Kommission zu nicht konformen Stablecoins, MiCA-Verordnung (EU) 2023/1114, Blockhead über EURR, EZB-Referenzkurs über Frankfurter.
Zuletzt geprüft: 2. Oktober 2026
