Regulierung30. September 2026

ESMA will MiCA nachschärfen: Influencer, Kosten, Staking und DeFi

Die ESMA fordert strengere MiCA-Regeln für Influencer-Marketing, Kosten, Staking und Lending, eine eigene Zulassung für den Zugang zu DeFi und verbindliche Stellungnahmen zur Token-Einstufung. Es ist eine Empfehlung, kein Beschluss.

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Die europäische Aufsichtsbehörde ESMA hat am 30. September ihre Antwort auf die Konsultation der EU-Kommission zur Überprüfung von MiCA veröffentlicht. Die ESMA will strengere Regeln für Kryptowerbung über Influencer, vollständige Kostenangaben, Informationspflichten für Staking, Lending und Borrowing sowie einen neuen zulassungspflichtigen Dienst für Unternehmen, die Zugang zu DeFi-Protokollen bieten. Gleichzeitig will die ESMA Teile der Regeln vereinfachen.

Werbung und Influencer

Die ESMA will bestimmte Marketingtechniken für Krypto verbieten können. Influencer und andere Dritte, die Krypto bewerben, sollen Interessenkonflikte offenlegen, und die nationalen zuständigen Behörden erhalten im Vorschlag mehr Befugnisse, um einzuschreiten.

Kosten: kein „Zero Commission“ mit verstecktem Spread

Wer Aufträge ausführt, weiterleitet oder Krypto tauscht, soll laut ESMA die vollständigen Kosten ausweisen. Die Behörde zielt ausdrücklich auf Werbung mit „Zero Commission“, bei der die Kosten im Spread stecken.

Staking, Lending und Borrowing

  • Staking: Die ESMA unterscheidet vier Formen und will Informationspflichten zu Erträgen, Lock-up- und Unbonding-Fristen, Slashing, der Auswahl der Validatoren und Gebühren.
  • Lending: Kryptowerte von Kunden nur mit deren ausdrücklicher schriftlicher Zustimmung verleihen.
  • Borrowing: Verhaltens- und Risikoanforderungen, vor allem bei Privatkunden und Hebel.

Stablecoins, die nicht MiCA-konform sind

Die ESMA will ausdrücklich festschreiben, dass ein zugelassener Anbieter (CASP) für ARTs oder EMTs, die nicht MiCA-konform sind, keinerlei MiCA-Dienstleistung erbringen darf. Übernimmt die Kommission das, könntest du einen solchen Stablecoin bei einer zugelassenen europäischen Plattform weder kaufen noch tauschen noch verwahren lassen.

DeFi: eine enge Definition und ein Türsteher

Die ESMA will klarere Kriterien dafür, was wirklich dezentral ist – gegen das, was sie „Decentralisation Washing“ nennt: Dienste, die sich dezentral nennen, um außerhalb von MiCA zu bleiben. Außerdem schlägt die ESMA einen neuen zulassungspflichtigen Kryptodienst für Unternehmen vor, die Nutzern Zugang zu DeFi-Protokollen verschaffen.

Token-Einstufung und zusätzliche Befugnisse

Die ESMA will von sich aus verbindliche Stellungnahmen zur Einstufung von Token abgeben können, auch für neue Produkte wie hybride Token. Bisher hat die ESMA dazu eine einzige unverbindliche Stellungnahme veröffentlicht. Außerdem verlangt sie Befugnisse, um betrügerische Websites zu sperren und Kryptowerte bei Verdacht auf Marktmissbrauch oder Terrorismusfinanzierung einzufrieren, sowie mehr Durchgriff gegenüber Unternehmen außerhalb der EU, die ohne Zulassung europäische Anleger ansprechen. Die Berufung auf „Reverse Solicitation“, also darauf, dass der Kunde selbst die Initiative ergriffen habe, will die ESMA so eng wie möglich auslegen.

Was die ESMA vereinfachen will

  • ein einfacheres Notifizierungsverfahren für Whitepaper;
  • weniger doppelte Zulassungen für bereits regulierte Unternehmen;
  • Aufsichtsanforderungen, die besser zu denen für Wertpapierfirmen (IFR/IFD) passen.

Daneben unterstützt die ESMA einen Rahmen für tokenisierte Wertpapiere und Abwicklung auf der Blockchain. Eine direkte Aufsicht über CASPs fordert sie nicht.

Der Haken: eine Empfehlung, kein Beschluss

Die Übergangsfrist von MiCA endete am 1. Juli 2026; die Kommission sammelt jetzt Stellungnahmen für ihre Überprüfung. Die Zentralbanken haben ihre eigenen Wünsche bereits am 22. September eingereicht, zu Stablecoin-Reserven und dem Zinsverbot. Ob davon etwas Gesetz wird, hängt von einem Vorschlag der Kommission und anschließend vom Europäischen Parlament und vom Rat ab. Wer heute Krypto bei einer europäischen Plattform hält, merkt vorerst nichts.

Häufige Fragen

Ändert sich für mich jetzt schon etwas?

Nein. Die ESMA berät die EU-Kommission. Die Regeln ändern sich erst, wenn die Kommission einen Gesetzesvorschlag vorlegt und das Europäische Parlament und der Rat ihn annehmen.

Dürfen Influencer bald nicht mehr für Krypto werben?

Das schlägt die ESMA nicht vor. Sie will, dass Influencer und andere Dritte Interessenkonflikte offenlegen und dass bestimmte Marketingtechniken verboten werden können.

Was bedeutet der Vorschlag für Staking?

Anbieter müssten erklären, wie Erträge zustande kommen, wie lange deine Kryptowerte gebunden sind, was Slashing bedeutet, wie Validatoren ausgewählt werden und welche Gebühren anfallen.


Quellen, geprüft am 01.10.2026:

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