Großbritannien stundet Steuern auf DeFi-Verleih und Liquiditätspools
Die britische Steuerbehörde HMRC führt eine „No-Gain-No-Loss"-Regel für bestimmte DeFi-Verleih- und Liquiditätspool-Transaktionen ein. Rund 700.000 Briten müssen erst bei einer echten wirtschaftlichen Veräußerung Steuern zahlen, ab dem 6. April 2027.
Die britische Steuerbehörde HMRC ändert die steuerliche Behandlung von DeFi-Transaktionen. In einem am 13. Juli veröffentlichten Grundsatzpapier führt HMRC eine „No-Gain-No-Loss"-Regel für bestimmte Formen von Krypto-Verleih und Liquiditätspool-Beteiligungen ein. Konkret bedeutet das: Die Kapitalertragsteuer wird bis zu dem Zeitpunkt aufgeschoben, an dem tatsächlich eine wirtschaftliche Veräußerung stattfindet — statt bereits beim Einzahlen oder Abheben von Assets fällig zu werden.
Was genau ändert sich?
Die neuen Regeln gelten für drei Szenarien. Bei einfachen Krypto-Verleihkonstruktionen fällt ein Teilnehmer, der einen Anteil im Tausch gegen dasselbe Krypto-Asset erwirbt oder veräußert, unter die No-Gain-No-Loss-Behandlung. Dasselbe gilt für automatisiertes Market Making über Smart Contracts mit zwei oder mehr qualifizierten Krypto-Assets: Sowohl das Einbringen als auch das Abheben eines Anteils im Tausch gegen dieselbe Art und Menge an Assets zählt nicht als steuerpflichtiges Ereignis.
Ab wann gilt das?
Die Maßnahme gilt ab dem 6. April 2027, dem Beginn des britischen Steuerjahres. Die endgültigen Kosten müssen noch vom Office for Budget Responsibility zertifiziert werden, aber HMRC schätzt, dass die Regel etwa 700.000 Menschen betrifft, die in Krypto-Verleih und Liquiditätspools aktiv sind.
Warum das wichtig ist
Bisher konnten britische DeFi-Nutzer ungewollt ein steuerpflichtiges Ereignis auslösen, indem sie einfach Token in ein Verleihprotokoll oder einen Liquiditätspool einzahlten — noch bevor überhaupt ein Gewinn realisiert wurde. Das machte aktive DeFi-Nutzung steuerlich unnötig komplex und riskant. Indem nur echte wirtschaftliche Veräußerungen besteuert werden, passt Großbritannien seine Regeln besser an die tatsächliche Funktionsweise von DeFi an.
Der größere Zusammenhang
Die Anpassung fügt sich in ein breiteres Muster ein, bei dem Aufsichtsbehörden weltweit ihre Regeln an die Realität von DeFi anpassen, statt bestehende Steuerrahmen wortwörtlich auf neue Technologie anzuwenden. Für Nutzer außerhalb Großbritanniens ist dies vor allem als Präzedenzfall interessant: Es ist zu erwarten, dass andere Steuerbehörden mit ähnlichen Fragen ringen.
Quellen: GOV.UK (HMRC-Grundsatzpapier), Decrypt, The Block. Zuletzt geprüft: 15. Juli 2026.
Achtung: Krypto-Assets sind volatil und du kannst (einen Teil) deiner Einlage verlieren. Dies ist keine Finanzberatung.
