Mi., 9. September 2026
Sicherheit8. September 2026

Liquid Network gehackt: 4.000 Bitcoin weg, 3.400 zurück

Am 6. September verließen rund 4.000 BTC die Föderations-Wallet von Blockstreams Liquid Network. 3.400 BTC kamen zurück, 598,5 BTC nicht. Was das für L-BTC-Halter bedeutet.

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Am Samstag, dem 6. September, verließen zwischen 13:53 und 14:28 UTC rund 4.000 Bitcoin die Föderations-Wallet des Liquid Network, der Bitcoin-Sidechain von Blockstream. Zum damaligen Kurs waren das 319 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 274 Millionen Euro; laut TRM Labs der bislang größte Krypto-Hack des Jahres 2026. Einen Tag später schickten die Angreifer 3.400 BTC zurück. Die übrigen 598,5 BTC, rund 47 Millionen Dollar oder 40 Millionen Euro, haben sie noch. Liquid steht seitdem still.

Wie der Angriff ablief

Liquid ist eine Sidechain: Man schickt Bitcoin an eine Wallet, die von einer Föderation aus Unternehmen verwaltet wird, und erhält dafür auf der Sidechain L-BTC, eins zu eins. Die Software, die die Sidechain validiert, heißt Elements. Dort saß der Fehler: Eine Lücke im Cache für Range Proofs ließ ungültige Transaktionsausgaben als verifiziert durch. Damit konnten die Angreifer rund 4.000 L-BTC erzeugen, hinter denen kein Bitcoin stand.

Diese ungedeckten L-BTC reichten sie über SideSwap, einen zugelassenen Peg-out-Betreiber, zum Rücktausch in Bitcoin ein. Die Föderation arbeitet mit einer 11-von-15-Multisig. Die unterschrieb die Auszahlung, weil Elements die Kette mit den ungedeckten L-BTC als gültig ansah. In 36 Minuten sank die Föderations-Wallet von rund 4.200 auf gut 200 BTC. Blockstream erklärt, dass kein einziger Schlüssel kompromittiert wurde, und SideSwap bestätigt, dass die ungedeckten L-BTC aus einem Bug in Elements stammten. Es war also kein gestohlenes Passwort, sondern ein Fehler in dem Code, dem die gesamte Kette vertraute.

White Hats mit selbst festgelegter Belohnung

Die Angreifer hinterließen eine Nachricht auf der Kette: Sie seien White Hats, man solle sie on-chain kontaktieren und zuerst den Bug beheben, denn jeder Node auf dem letzten Commit sei gefährdet. Am 7. September folgte die Rückzahlung von 3.400 BTC, 85 Prozent der Beute.

Nicht alle glauben diese Geschichte. Charles Guillemet, CTO von Ledger, verglich den Fall mit dem Ronin-Hack: erst das Geld nehmen und dann verhandeln sei keine verantwortungsvolle Offenlegung. Samson Mow, früherer CSO von Blockstream, merkte an, dass die Kontaktanfrage nicht von der Adresse kam, auf der die Bitcoin lagen. Und die einbehaltenen 598,5 BTC, 15 Prozent, sind eine Belohnung, die sich die Angreifer selbst zugesprochen haben; Blockstream hat keine Prämie in dieser Höhe angeboten. TRM Labs hat die Adressen markiert und verfolgt die 47 Millionen Dollar.

Was das bedeutet, wenn Sie L-BTC halten

Drei Dinge stehen am 9. September fest: Das Netzwerk ist pausiert, die Börsen haben den Handel mit L-BTC nicht wieder aufgenommen, und der Rücktausch in Bitcoin ist gestoppt. Die Föderation hat noch keine Bedingungen für die Wiederherstellung bekanntgegeben.

Die Rechnung von TRM Labs ist der Kern: In der Reserve liegen jetzt rund 3.597 BTC gegenüber schätzungsweise 4.200 ausstehenden L-BTC. Das ist eine Deckung von etwa 86 Prozent. Solange die 598,5 BTC nicht zurückkommen oder Blockstream die Lücke nicht selbst schließt, ist nicht mehr jeder L-BTC vollständig gedeckt. Andere Vermögenswerte auf Liquid wie USDT und tokenisierte Wertpapiere sind nach ersten Berichten nicht betroffen.

Wer Bitcoin auf der Hauptkette hält, in der eigenen Wallet oder bei einer Börse, merkt davon nichts. Der Bug saß in Elements, nicht in Bitcoin Core.

Der Markt reagierte kaum

Bitcoin schloss am 8. September bei 78.475 Dollar, 0,9 Prozent tiefer. The Motley Fool nannte den Hack als einen der Gründe, neben einer Wahrscheinlichkeit von über 60 Prozent für eine Zinserhöhung der Fed laut CME FedWatch und den anhaltenden amerikanisch-iranischen Angriffen, die den Ölpreis über 100 Dollar je Barrel halten. Auf Monatssicht liegt Bitcoin noch gut 20 Prozent im Plus.

Was man daraus lernen kann

Eine Sidechain ist eine Vereinbarung: Man gibt seine Bitcoin einer Föderation und vertraut darauf, dass deren Software und Signaturen stimmen. Das ist nicht dasselbe wie Bitcoin in einer Wallet, deren Schlüssel man selbst hält. Der Nachteil der Selbstverwahrung ist, dass jeder Fehler der eigene ist; der Nachteil des Auslagerns ist, dass der Bug eines anderen zum eigenen wird. Liquid läuft seit 2018, mit Blockstream im Rücken und einer Multisig aus fünfzehn Parteien, und es reichte nicht, als der Validierungscode selbst log.

Es passt in das Muster, das wir im Juni beschrieben haben: Hacks werden seltener, richten aber mehr Schaden an. Nach Coinsbuy im August und den gekaperten Konten in DeFi ist dies die dritte Ebene, auf der es schiefging: nicht der Nutzer, nicht der Verwahrer, sondern die Kette selbst.

Das ist kein Rat, L-BTC oder Liquid zu meiden, aber ein Grund, Betrag für Betrag zu entscheiden, welches Risiko man lieber trägt: das des eigenen Seeds oder das einer Föderation.

Quellen: TRM Labs, „2026's Biggest Hack To Date: Attackers Drained USD 319 Million in Bitcoin From Liquid Network“ (8. September 2026); Yahoo Finance, „Blockstream's Liquid Network Drained 4000 Bitcoin by Alleged White Hat Hackers“ (7. September 2026); The Motley Fool, „Crypto Market Today, Sept. 8“ (8. September 2026). Dollarbeträge umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 8. September 2026 (0,861 Euro je Dollar). Zuletzt geprüft: 9. September 2026.

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