Kaum in Kraft, und Europa schreibt MiCA schon wieder um: das ändert sich
MiCA ist seit dem 1. Juli vollständig in Kraft, doch die Europäische Kommission eröffnete bereits im Mai eine Überprüfung. Stablecoins, die Anerkennung ausländischer Regeln und Tokenisierung stehen im Mittelpunkt. Nur rund 210 der über 1.200 Kryptofirmen erhielten eine vollständige Lizenz.
Seit dem 1. Juli 2026 ist MiCA vollständig in Kraft: Die Übergangsfrist ist vorbei, und wer ohne Lizenz in der EU tätig ist, verstößt gegen geltendes Recht. Dennoch eröffnete die Europäische Kommission bereits im Mai eine Überprüfung mit der Frage, ob das Regelwerk noch fit for purpose ist. Kaum in Kraft, und der erste Umbau läuft schon.
Was sich ändert
Der Schwerpunkt liegt auf Stablecoins. Als MiCA verfasst wurde (2020–2023), drehte sich alles um Börsen; inzwischen stehen Stablecoins im Zentrum des globalen Zahlungsverkehrs. Die Kommission prüft die Anerkennung ausländischer Rahmenwerke (Third-Country Equivalence), damit weltweit zirkulierende Stablecoins unter Auflagen an EU-Börsen gehandelt werden können. Zudem sind strengere Rücktauschgarantien für Token vorgesehen, die von mehreren Stellen ausgegeben werden, sowie ein Blick auf die Tokenisierung realer Vermögenswerte — von Anleihen bis Immobilien.
Eine strenge Auswahl
MiCA greift hart durch. Von den über 1.200 registrierten Kryptofirmen verfügten Mitte 2026 nur rund 210 über eine vollständige Lizenz — weniger als eine von fünf. Die Gewinner profitieren von einem europäischen Pass: Eine Lizenz in einem Mitgliedstaat gewährt Zugang zu allen 27. „Was entsteht, ist ein echter Binnenmarkt, der den alten Flickenteppich aus 27 nationalen Regimen ersetzt", fasst Marktexperte Yamal Kalaf zusammen.
Die USA als Spiegel
Dass Europa bereits nachjustiert, liegt auch am Wettbewerb. Als MiCA entworfen wurde, existierte noch kein vergleichbarer Rahmen; inzwischen bieten der US-GENIUS Act und andere Jurisdiktionen alternative Modelle. „Als erstes umfassendes Krypto-Rahmenwerk war von Anfang an klar, dass MiCA häufig überarbeitet würde, im Tempo des Marktes", sagt Patrick Hansen vom Stablecoin-Emittenten Circle.
Was merkst du davon?
Für Nutzer bedeutet das langfristig weniger, aber besser beaufsichtigte Anbieter und mehr Schutz rund um Stablecoins. Die Kehrseite: Eine angekündigte Überprüfung ist noch kein Gesetz. Die Konsultation läuft, und die endgültigen Anpassungen können anders aussehen als die ersten Vorschläge. Rechne also nicht über Nacht mit konkreten Regeln.
Quellen: CoinDesk, Euronews. Zuletzt geprüft: 19. Juli 2026.
