US-Kryptogesetz im Endspurt: Der 10. August wird zum Moment der Wahrheit
Die CLARITY Act teilt die US-Kryptoaufsicht zwischen SEC und CFTC auf. Das Gesetz muss vor der Sommerpause durch den Senat; verpasst es den 10. August, erlahmt die Dynamik bis nach den Wahlen. Europa war mit MiCA Vorreiter; nun holt Washington auf.
In Washington läuft die Uhr. Die CLARITY Act — vollständig Digital Asset Market Clarity Act, die die US-Kryptoaufsicht zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Rohstoffaufsicht CFTC aufteilt — nähert sich einem entscheidenden Moment. Der Senat muss das Gesetz vor dem 10. August abschließen, wenn die Sommerpause beginnt. Der letzte Arbeitstag davor ist der 7. August: das ist die eigentliche Frist.
Wo das Gesetz steht
Das Repräsentantenhaus verabschiedete das Gesetz im Vorjahr mit 294 zu 134 Stimmen. Auf Senatsseite stimmte der Bankenausschuss im Mai zu (15-9), der Agrarausschuss verabschiedete Anfang des Jahres eine eigene Fassung. Diese beiden Versionen müssen nun zu einem Gesetz zusammengeführt werden, bevor der gesamte Senat abstimmen kann — und die Zeit drängt.
Was das Gesetz regelt
Im Kern steht eine klare Aufgabenteilung: Die SEC beaufsichtigt Investmentverträge und tokenisierte Wertpapiere, während die CFTC volle Zuständigkeit für den Spotmarkt digitaler Rohstoffe erhält. Zudem dürfen Kryptoprojekte über eine vereinfachte Registrierung bis zu 50 Millionen Dollar (±44 Millionen Euro) pro Jahr und 200 Millionen kumulativ einsammeln, und Exchanges und Broker unterliegen strengen Geldwäscheregeln (KYC/AML). Belohnungen auf Stablecoin-Einlagen werden eingeschränkt, mit Ausnahmen.
Die Hürden
Einfach wird es nicht. Über eben diese Stablecoin-Belohnungen herrscht Streit, und die Demokraten drängen auf strengere Ethikregeln bei Krypto-Zuwendungen an Bundesbeamte. Hinzu kommt ein praktisches Problem: Die CFTC verfügt über ein Budget von rund 365 Millionen Dollar und 535 Mitarbeiter, gegenüber 2,15 Milliarden Dollar und über 4.000 Mitarbeitern der SEC — zu wenig, um die neue Aufgabe sofort zu erfüllen.
Was bedeutet das für Europa?
Europa war mit MiCA — seit 1. Juli vollständig in Kraft — Vorreiter; die USA holen nun auf. Klarheit auf beiden Seiten des Atlantiks senkt die Hürde für institutionelles Kapital, befeuert aber auch den Wettbewerb zwischen den Regulierern. Fallen die amerikanischen Regeln großzügiger aus, könnten Kapital und Talente aus Europa abwandern.
Einschränkung: Eine Frist ist kein Weltuntergang
Wichtig zu wissen: Verpasst der Senat den 10. August, wird nichts plötzlich illegal — kein Bitcoin, Ethereum, Stablecoin oder keine Exchange verschwindet. Die Bedeutung ist vor allem politisch: Verpasst das Gesetz dieses Fenster, verdampft die Dynamik, und eine endgültige Entscheidung rutscht wohl auf die Zeit nach den Wahlen. Und ein angekündigtes Gesetz ist noch kein Gesetz.
Quellen: Bitcoin Foundation, Paul Hastings. Zuletzt geprüft: 21. Juli 2026.
