Gekaperte Accounts überholen Smart-Contract-Hacks als größte DeFi-Bedrohung
Erstmals sind gekaperte Accounts für mehr als die Hälfte aller DeFi-Angriffe verantwortlich — mehr als klassische Smart-Contract-Exploits. Ein aktueller Governance-Hack bei Bonk DAO zeigt, wie das in der Praxis funktioniert.
Die Art der DeFi-Hacks hat sich in diesem Jahr grundlegend verändert. Erstmals gehen mehr als die Hälfte aller DeFi-Angriffe, gemessen an der Zahl der Vorfälle, auf gekaperte Accounts zurück — und übertreffen damit klassische Smart-Contract-Exploits als wichtigsten Angriffsvektor. Allein in den ersten vier Monaten 2026 verloren DeFi-Protokolle mehr als 750 Mio. $ (≈655,9 Mio. €) durch Exploits; rechnet man Mai und (teilweise) Juni hinzu, liegt die Gesamtsumme bei über 840 Mio. $ (≈734,6 Mio. €).
Kurz zusammengefasst 🔓 Gekaperte Accounts sind inzwischen für über 50 % aller DeFi-Angriffe verantwortlich — mehr als Smart-Contract-Bugs 💸 DeFi-Protokolle haben 2026 bereits über 840 Mio. $ (≈734,6 Mio. €) durch Exploits verloren 🗳️ Am 6. Juli traf es Bonk DAO durch eine gekaperte Governance-Abstimmung, mit einem Schaden von ≈20 Mio. $ (≈17,5 Mio. €) 🎭 Der Angreifer versteckte eine schädliche Anweisung in einem Governance-Vorschlag und kaufte zuvor Stimmrecht auf großen Börsen 🕵️ Chainalysis führt rund 76 % aller weltweiten Krypto-Hackschäden 2026 auf Akteure mit Verbindungen zur Lazarus Group zurück 🛡️ Für Nutzer werden Wallet-Sicherheit und Wachsamkeit bei Governance-Abstimmungen immer wichtiger
Von Smart-Contract-Bugs zu gekaperten Accounts
Jahrelang lag der Fokus der DeFi-Sicherheit vor allem auf dem Aufspüren von Fehlern im Smart-Contract-Code. Dieses Risiko besteht weiterhin, doch 2026 zeigt einen deutlichen Wandel: Mehr als die Hälfte aller DeFi-Angriffe dieses Jahr läuft inzwischen über gekaperte oder kompromittierte Accounts statt über technische Bugs im zugrunde liegenden Code. Chainalysis-Forscher führen zudem rund 76 % der weltweiten Krypto-Hackschäden 2026 auf Akteure mit Verbindungen zur Lazarus Group zurück, einer Gruppe, die dem nordkoreanischen Staat zugeschrieben wird.
Der Bonk-DAO-Hack als Praxisbeispiel
Am 6. Juli 2026 traf genau diese Art von Angriff die Bonk DAO. Über einen bösartigen Governance-Vorschlag — intern als BIP #76 bezeichnet — gelang es einem Angreifer, rund 4,426 Billionen Token (im Wert von etwa 20 Mio. $, ≈17,5 Mio. €) aus der Community-Treasury abzuziehen. Der Angreifer versteckte einen schädlichen Smart-Contract-Befehl im Text des Vorschlags selbst und kaufte im Vorfeld rund 88,23 Mrd. BONK-Token auf großen Börsen wie Binance und Bybit, um genügend Stimmgewicht zu sichern.
Dieses Vorgehen umgeht klassische Code-Audits: Der zugrunde liegende Smart Contract kann technisch einwandfrei sein, während der Angriff dennoch gelingt, weil die Governance-Abstimmung selbst manipuliert wird.
Was das für Nutzer bedeutet
Für Privatanleger und aktive DeFi-Nutzer lautet die wichtigste Lehre, dass Sicherheit über das bloße Vertrauen in einen geprüften Smart Contract hinausgeht. Praktische Punkte, die es zu beachten gilt:
- Seien Sie zurückhaltend bei der Freigabe von Token-Zugriffen für unbekannte oder neue Protokolle.
- Prüfen Sie Governance-Vorschläge kritisch, besonders wenn sie ungewöhnliche technische Anweisungen enthalten.
- Bewahren Sie größere Beträge bevorzugt in einer Hardware-Wallet auf statt in einer Hot Wallet, die mit DeFi-Plattformen verbunden ist.
- Bleiben Sie wachsam gegenüber Phishing-Versuchen, die sich als Governance- oder Abstimmungsanfragen tarnen.
Fazit
Der Wandel von technischen Smart-Contract-Bugs hin zu gekaperten Accounts und manipulierten Governance-Abstimmungen zeigt, dass DeFi-Sicherheit zu einem breiteren Thema geworden ist als reine Code-Audits. Nutzer sollten Risiken weiterhin sorgfältig abwägen, bei Governance-Anfragen kritisch bleiben und sensible Beträge nach Möglichkeit offline aufbewahren.
