Europas Banken kaufen sich in den Kryptomarkt ein, und die Zulassungskosten erledigen den Rest
Cecabank verwahrt inzwischen Krypto für spanische Banken, Kraken beantragt eine Banklizenz in Litauen, und Anwälte sehen eine Übernahmewelle kommen. Die MiCA-Zulassung ist zu teuer geworden, um sie allein zu tragen.
Cecabank hängt 400 Milliarden Euro Verwahrung an Krypto
Cecabank ist der breiten Öffentlichkeit unbekannt, im spanischen Bankwesen aber unumgänglich. Das Haus übernimmt Wertpapierverwahrung und Backend-Infrastruktur für mehr als hundert Finanzinstitute, ist in über siebzig Märkten aktiv und verwahrt rund 400 Milliarden Euro an Vermögen.
Seit dem 11. Juni 2026 läuft auf denselben Schienen auch ein Kryptoverwahrdienst. Cecabank erhielt 2025 von der CNMV eine MiCA-Zulassung für Verwahrung, Übertragung sowie Annahme und Übermittlung von Aufträgen, ist bei der Banco de España und bei der ESMA registriert und hat ein Passporting-Verfahren nach Irland, Portugal und Luxemburg eingeleitet. Erster Kunde ist Renta 4 Banco. Die technische Schicht stammt von Bit2Me, das täglich mehr als 280 Millionen Dollar (rund 245 Millionen Euro) an Spotvolumen abwickelt.
„Wir übertragen unsere Erfahrung und unsere Standards auf die Welt der digitalen Vermögenswerte“, sagte Aurora Cuadros, Corporate Director Securities Services bei Cecabank. Gabriel Ayala von Bit2Me beschrieb das Ergebnis als „Kryptoinfrastruktur institutioneller Qualität, integriert in traditionelle Bankprozesse“.
Cecabank steht nicht allein. BBVA arbeitet an direktem Handel und direkter Verwahrung von bitcoin und ether für spanische Kunden, und Cecabank hat ein Büro in Luxemburg eröffnet und einen Sitz im Vorstand des luxemburgischen Bankenverbands übernommen.
Weniger als jede fünfte europäische Bank macht mit
Die Zahlen relativieren die Euphorie. Laut Simon Schneider, Vorstandschef von Sygnum Europe, bieten derzeit weniger als zwanzig Prozent der europäischen Banken Kryptodienstleistungen an. „Wir sehen eine klare Tendenz hin zu regulierten Instituten“, sagte er – doch diese Tendenz beginnt auf niedrigem Niveau.
Zum Vergleich: In den Vereinigten Staaten haben inzwischen rund sechzig Prozent der fünfundzwanzig größten Banken Produkte rund um bitcoin gestartet oder angekündigt, nachdem die dortigen Aufsichtsbehörden im Juli 2025 gemeinsam grünes Licht für die Verwahrung durch nationale Banken gaben. Allein JPMorgan Chase und Wells Fargo verwalten zusammen mehr als 7,3 Billionen Dollar (rund 6,4 Billionen Euro).
Europa hinkt also hinterher, doch der Abstand schrumpft schneller als noch vor einem Jahr – gerade weil MiCA nun klarstellt, was erlaubt ist und was nicht.
Die Schweiz zeigt, wohin die Reise geht
Wer wissen will, wo Europa landet, schaut in die Schweiz. Dort besteht seit der DLT-Gesetzgebung ein klarer Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte, und das Ergebnis ist, dass etwa drei Viertel der großen Schweizer Banken heute etwas mit digitalen Vermögenswerten machen: Verwahrung, Handel oder beides.
Das Muster ist stets dasselbe. Solange der Rechtsrahmen unklar ist, macht kaum eine Bank mit, denn das Risiko einer Strafe oder eines Reputationsschadens wiegt schwerer als der Umsatz. Sobald der Rahmen steht, geht es schnell, denn dann ist Nichtstun zum Risiko geworden.
MiCA hat diesen Rahmen für den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum gelegt. Was in der Schweiz fünf Jahre dauerte, kann in der EU schneller gehen, weil eine einzige Zulassung sofort siebenundzwanzig Märkte öffnet.
Die Zulassungskosten treiben eine Übernahmewelle
Es gibt eine Kehrseite. Eine MiCA-Zulassung ist kein Formular, sondern ein Geschäftsmodell: getrennte Verwahrung von Kundengeldern, Kapitalanforderungen, Compliance-Personal, Meldepflichten, jährliche Prüfungen. Für ein Start-up mit ein paar tausend Kunden geht diese Rechnung nicht mehr auf.
Anwälte, die solche Verfahren begleiten, sehen darin einen Konsolidierungstreiber. Steven Lightstone, Partner bei Morgan Lewis, weist im Gespräch mit CoinDesk darauf hin, dass die Aufsicht selbst gar keinen Wettbewerbsabbau anstrebt: Die britische Behörde „versucht, den Wettbewerb zu fördern, und sie versucht wirklich, Neueinsteigern zu helfen“, sagte er, fügte aber hinzu, die Anforderungen seien „sehr hoch, besonders dort, wo Verbraucher betroffen sind“.
Die Folge: Banken und große regulierte Akteure stehen auf der Käuferseite. Sie haben Compliance-Abteilungen, Kapitalpuffer und Zulassungsakten längst und können diese Kosten über eine viel größere Bilanz verteilen. Eine kleine Kryptoplattform mit guter App und zehntausend Kunden ist für sie billiger zu kaufen als zu bauen.
Dass der Markt ohnehin konzentriert ist, hilft nicht: Schätzungsweise 55 Prozent aller Kundengelder und rund 24 Prozent des weltweiten Spotvolumens liegen bei einem einzigen Anbieter, Binance.
Kraken will keine exchange mehr sein, sondern eine Bank
Die Gegenbewegung gibt es ebenfalls. Kraken hat bei der litauischen Zentralbank einen Antrag auf eine spezialisierte Banklizenz laufen, dieselbe Art von Zulassung, die Revolut dort 2018 erhielt. Die Bank of Lithuania äußert sich nicht und verweist auf die Vertraulichkeit von Zulassungsverfahren; Kraken lehnt eine Stellungnahme ab.
Eine solche Lizenz würde Kraken erlauben, im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum Girokonten, Verbraucherkredite und Aktienhandel anzubieten. Keine andere Kryptobörse besitzt diesen Status in Europa.
Vorstandschef Arjun Sethi skizzierte auf der Money20/20 Europe eine Lizenzstrategie für die kommenden zehn Jahre, bei der das Unternehmen Zulassungen entweder durch den Kauf bestehender Firmen oder durch Aufbau von null einsammeln will. Kraken erhielt bereits im März 2026 über Kraken Financial Zugang zur Zahlungsinfrastruktur der Federal Reserve und sicherte sich im Mai eine VARA-Zulassung in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ein US-Börsengang ist geplant.
Was das für Sie bedeutet
Die praktischen Folgen sind schon da. Wenn Ihre Bank demnächst Krypto anbietet, liegt die Verwahrung mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einem Haus wie Cecabank und die Ausführung bei einem Technologiepartner: eine App, drei Zulassungen, drei haftende Parteien. Fragen Sie nach, wer Ihre Coins tatsächlich hält.
Zugleich sollten Sie damit rechnen, dass kleinere Plattformen verschwinden oder übernommen werden. Das muss keine schlechte Nachricht sein – eine Übernahme durch einen regulierten Anbieter ist besser als eine abrupte Schließung –, es bedeutet aber, dass sich Bedingungen, Gebühren und verfügbare Coins ändern können, ohne dass Sie darum gebeten haben.
Was Sie jetzt tun können: Prüfen Sie, ob Ihr Anbieter selbst eine MiCA-Zulassung besitzt oder unter der eines anderen arbeitet, und behalten Sie einen eigenständigen Zugang zu Ihren Mitteln. Eine hardware wallet bleibt die Antwort auf das Szenario, in dem Ihre Plattform den Eigentümer wechselt.
Quellen: CoinDesk, crypto.news, Cryptopolitan, CNMV, Bank of Lithuania. Zuletzt geprüft: 27. Juli 2026.
