Schweizer Kantonalbank bringt den Kryptohandel direkt in die Banking-App
BancaStato, die Kantonalbank des Tessins, bietet seit Ende Juli Handel und Verwahrung von Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Solana direkt im eigenen E-Banking und in der Mobile-App an. Die Verwahrung läuft über Sygnum, wobei die Kundenwerte ausserhalb der Bilanz des Verwahrers gehalten werden.
Die Kantonalbank des Tessins hat Kryptowährungen aus der Ecke der separaten Exchange-App geholt. Seit Ende Juli bietet BancaStato Handel und Verwahrung digitaler Vermögenswerte direkt im bestehenden E-Banking und in der Mobile-App an. Kundinnen und Kunden mit einem Zahlungskonto erteilen ihre Order in derselben Umgebung, in der sie ihren Saldo einsehen.
Was BancaStato genau anbietet
Die Bank unterstützt vier Werte: Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Solana. Aufträge werden als Market-Order ausgeführt, ohne dass ein zweites Konto bei einem Exchange eröffnet, ein separates Wallet eingerichtet oder Schlüssel selbst verwaltet werden müssen. Die Verwahrung liegt bei Sygnum, der Schweizer Bank mit einer vollwertigen Zulassung für digitale Vermögenswerte.
Das klingt unspektakulär, und genau darin liegt der Punkt. Die Hürde für gewöhnliche Bankkunden ist selten der Bitcoin-Kurs; sie liegt in der Kontoeröffnung bei einem unbekannten Anbieter, in einer zweiten Identifizierung und in der Frage, was mit den Coins geschieht, wenn dieser Anbieter zusammenbricht.
Ausserhalb der Bilanz — das entscheidende Detail
In der Mitteilung heisst es, dass Kundenwerte ausserhalb der Bilanz von Sygnum gehalten werden, im Einklang mit den anwendbaren rechtlichen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Das ist kein Marketingsatz, sondern der Kern der Konstruktion. Ausserhalb der Bilanz gehaltene Werte sind rechtlich kein Eigentum des Verwahrers. Wird der Verwahrer insolvent, fallen sie nicht in die Insolvenzmasse und haften nicht für dessen Gläubiger.
Genau diese Unterscheidung fehlte den Plattformen, die 2022 zusammenbrachen. Die Kunden glaubten, ihre Kryptowerte zu besitzen; rechtlich waren sie ungesicherte Gläubiger eines Unternehmens, das die Coins in die eigene Bilanz genommen und verliehen hatte.
Die Technik: Avaloq als SaaS
Nach Angaben der Beteiligten ist BancaStato die erste Bank, die diesen Dienst über die SaaS-Umgebung von Avaloq bezieht, mit einer direkten API-Anbindung an Sygnum. Avaloq ist Kernbankensoftware, die in weiten Teilen des Schweizer und europäischen Private Banking im Einsatz steht.
Dieses Detail wiegt schwerer, als es klingt. Es bedeutet, dass die Integration kein Einzelprojekt ist, das jede Bank neu bauen muss, sondern eine Anbindung innerhalb einer Plattform, die Dutzende weitere Institute bereits nutzen. Was bei BancaStato funktioniert, ist für den nächsten Avaloq-Kunden weitgehend Nacharbeit.
Warum die Schweiz und nicht die EU
Die Schweiz liegt ausserhalb der Europäischen Union, MiCA gilt dort also nicht. Die Aufsicht liegt bei der FINMA, in einem Rahmen, der digitale Vermögenswerte seit dem DLT-Gesetz von 2021 ausdrücklich vorsieht. Kantonalbanken sind zudem eine eigene Gattung: in ihrem Kanton verwurzelt und vielfach mit einer Staatsgarantie des Kantons ausgestattet.
Wenn ein Institut mit diesem Profil Krypto in die Standard-App aufnimmt, ist das ein anderes Signal als bei einer Fintech. Das ist kein Experiment am Rand des Systems.
Was noch offen ist
Gebühren, Spreads, Mindestordergrössen und die Frage, ob weitere Token folgen, wurden nicht mitgeteilt. Ebenso wenig ist klar, ob der Dienst allen Kundensegmenten offensteht oder zunächst nur einem Teil. Ein Kostenvergleich mit einem gewöhnlichen Exchange ist derzeit schlicht nicht möglich.
Was das für Sie bedeutet
Wer in den Niederlanden oder in Belgien lebt, kann damit heute nichts anfangen: BancaStato bedient die eigene Kundschaft. Das Muster ist dennoch aufschlussreich. Sygnum betreibt nach eigenen Angaben inzwischen die Infrastruktur für mehr als 25 Finanzinstitute und erklärt, dass mehr als ein Drittel der Schweizer Bevölkerung auf diesem Weg Zugang zu Dienstleistungen rund um digitale Vermögenswerte hat.
Das ist die Richtung: nicht der Kunde geht zum Exchange, sondern die Exchange-Funktion kommt in die Bank. Niederländische und belgische Institute prüfen dieselben Anbieter. Der Unterschied ist, dass sie es unter MiCA tun müssen, mit einer Zulassung als CASP oder über eine bestehende Bankzulassung.
Quellen: CoinInsider, Sygnum, BancaStato, Avaloq. Zuletzt geprüft: 26. Juli 2026.
