Miner verkaufen Bitcoin und bauen Rechenzentren für KI
MARA verkaufte im zweiten Quartal 2.213 der 2.422 geschürften Bitcoin und sah den eigenen Bestand um 29 Prozent schrumpfen. CleanSpark unterschrieb einen Mietvertrag über zwanzig Jahre. Der Mining-Umsatz sinkt bei beiden zweistellig, während der Erlös je Megawattstunde aus KI-Rechenleistung ein Vielfaches davon beträgt.
Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 zeigen, dass die größten Bitcoin-Miner ihr Geschäftsmodell umbauen. MARA Holdings meldete 174,9 Millionen Dollar Umsatz (rund 153,0 Millionen €), 27 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, und einen Nettoverlust von 611,3 Millionen Dollar (rund 534,9 Millionen €), also 1,60 Dollar je verwässerter Aktie. CleanSpark, mit abweichendem Geschäftsjahr, kam für das Quartal bis Ende Juni auf 138,0 Millionen Dollar Umsatz (rund 120,8 Millionen €), ein Minus von 30,5 Prozent, bei einem Nettoverlust von 239,8 Millionen Dollar (rund 209,8 Millionen €). Beide Aktien gaben nach den Zahlen nach: MARA um mehr als 5 Prozent auf 10,67 Dollar, CleanSpark um mehr als 6 Prozent auf 12,69 Dollar.
Der Bestand geht raus
Für Anleger, die Mining-Aktien als indirekte Bitcoin-Position sehen, ist das die entscheidende Zahl. MARA schürfte im Quartal 2.422 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von 71.325 Dollar (rund 62.409 €) und verkaufte 2.213 davon zu durchschnittlich 73.078 Dollar (rund 63.943 €). Der eigene Bestand fiel um 29 Prozent auf 35.577 Bitcoin, derzeit rund 2,1 Milliarden Dollar wert (rund 1,84 Milliarden €). Die Rechenleistung stieg dagegen um 22 Prozent auf 70,3 EH/s.
Anders gesagt: Es wird mehr geschürft und fast alles verkauft. Wer eine Mining-Aktie in der Annahme gekauft hat, das Unternehmen sammle die Coins für ihn, sollte diese Annahme überprüfen. CleanSpark hält noch 13.924 Bitcoin und liegt damit auf Rang elf unter den börsennotierten Unternehmen, mit 202,6 Millionen Dollar Kasse (rund 177,3 Millionen €), 2,7 Milliarden Dollar Bilanzsumme (rund 2,36 Milliarden €) und 1,8 Milliarden Dollar langfristigen Schulden.
Warum der Strom zur KI wandert
Der Grund liegt im Unterschied je Megawattstunde. Rechenleistung für KI und High Performance Computing bringt nach Branchenzahlen 1.500 bis 3.500 Dollar je Megawattstunde, gegenüber 80 bis 120 Dollar beim Bitcoin-Mining. Diese Lücke schließt man nicht mit effizienteren Maschinen.
Entsprechend fallen die Verträge aus. CleanSpark unterschrieb für den Standort Sandersville einen Triple-Net-Mietvertrag über zwanzig Jahre im Wert von 6,6 Milliarden Dollar (rund 5,78 Milliarden €) und verfügt über mehr als 1,8 Gigawatt Leistung. TeraWulf, kleiner mit 44,8 Millionen Dollar Quartalsumsatz (rund 39,2 Millionen €), holt davon bereits 31,9 Millionen Dollar (rund 27,9 Millionen €) aus High Performance Computing, also 71 Prozent, und unterschrieb einen Zwanzigjahresvertrag über 401 Megawatt mit einem projizierten Erlös von 33 Milliarden Dollar (rund 28,9 Milliarden €). Branchenweit sind inzwischen mehr als 70 Milliarden Dollar Kapital in diesen Umbau geflossen.
MARA-Chef Fred Thiel formulierte es so, dass das Mining das Fundament gelegt habe und digitale Infrastruktur den Wert darauf ausweiten solle. CleanSpark-Präsident Gary Vecchiarelli sprach davon, Optionalität in der Infrastruktur in dauerhafte Zahlungsströme zu verwandeln. Das ist Vorstandssprache für: Das alte Modell trägt nicht mehr.
Was du davon hast
Hältst du Mining-Aktien als Ersatz für Bitcoin selbst, trägt diese Begründung immer weniger. Diese Unternehmen werden zu Vermietern von Strom und Fläche, mit einem schrumpfenden Bitcoin-Geschäft daneben. Das Risikoprofil verschiebt sich entsprechend: weg vom Bitcoin-Kurs, hin zu Baurisiko, Schuldenlast und der Frage, ob ein großer Mieter zwanzig Jahre lang zahlt.
Willst du Bitcoin-Exposure, kauf Bitcoin oder ein Produkt, das die Münze tatsächlich hält, und beurteile eine Mining-Aktie als das, was sie inzwischen ist: ein Infrastrukturunternehmen. Schau im nächsten Quartalsbericht nicht auf die geschürfte Menge, sondern auf drei andere Zeilen — wie viel Bitcoin verkauft wurde, wie viel Umsatz von außerhalb des Minings kommt und wie sich die langfristigen Schulden zur Kasse verhalten. Und beachte, dass diese Verträge die Branche um eine Handvoll KI-Abnehmer herum konzentrieren; dieses Risiko spiegeln die heutigen Kurse kaum.
Quellen: MARA Holdings (Quartalszahlen Q2 2026), CleanSpark (Quartalszahlen zum 30. Juni 2026), TeraWulf (Quartalszahlen Q2 2026), The Block (6. August 2026), CoinDesk (6. August 2026). Zuletzt geprüft: 7. August 2026.
