Brüssel überarbeitet MiCA, und die Frist endet in vier Wochen
Bis zum 31. August 2026 befragt die Europäische Kommission den Markt zu Zinsen auf Stablecoins, zur Anerkennung von Dollar-Stablecoins und zur Frage, wann DeFi wirklich dezentral ist. Parallel schaut die ESMA seit dem 8. Juli in die Tresore zugelassener Plattformen.
Die Europäische Kommission hat eine gezielte Konsultation zur Überarbeitung von MiCA gestartet, die Frist für Antworten läuft bis zum 31. August 2026. Das ist in vier Wochen. MiCA gilt erst seit Ende letzten Jahres vollständig, es geht also nicht um einen Umbau, sondern um eine erste Eichung: Welche Teile funktionieren in der Praxis anders als auf dem Papier gedacht.
Vier Themen stechen heraus, und alle vier berühren unmittelbar, was du auf einer europäischen Plattform tun kannst.
Zinsen auf Stablecoins liegen wieder auf dem Tisch
MiCA verbietet Emittenten von EMT und ART, Zinsen auf die von ihnen ausgegebenen Token zu zahlen. Die Begründung: Ein verzinster Stablecoin wird zum Sparprodukt ohne den Schutz eines Sparprodukts. Die Praxis sieht so aus, dass europäische Nutzer ihre USDC bei einem nicht-europäischen Anbieter halten und die Vergütung dort kassieren, außerhalb der Sicht der Aufsicht.
Die Kommission fragt nun ausdrücklich nach den Folgen dieses Verbots und nach den daran hängenden Reserveanforderungen. Wird das Verbot gelockert, ändert sich die Rendite auf Guthaben, die du bei einer europäischen Plattform hältst. Bleibt es bestehen, bleibt auch der Abstand zu Plattformen außerhalb der EU.
Zählt ein US-Dollar-Stablecoin künftig mit?
Das zweite Thema ist technischer, hat aber größere Folgen. Viele große Stablecoins werden gleichzeitig in mehreren Rechtsräumen ausgegeben: derselbe Token, teils unter europäischer Aufsicht, teils außerhalb. MiCA hat darauf keine dichte Antwort. Die Kommission prüft, ob eine Form der Drittstaaten-Gleichwertigkeit möglich ist, bei der Aufsicht außerhalb der EU unter Bedingungen anerkannt wird.
Für dich als Nutzer ist das der Unterschied zwischen einem Handelspaar, das bleibt, und einem, das von deiner Plattform verschwindet. Im Vorfeld von MiCA ist genau das bei Token passiert, die die Anforderungen nicht erfüllten.
DeFi: Ab wann ist etwas wirklich dezentral?
MiCA lässt vollständig dezentrale Protokolle außen vor, nennt aber keine Kriterien dafür. Diese Lücke wurde in den letzten zwei Jahren mit Rechtsgutachten gefüllt, die einander widersprechen. Die Konsultation fragt nach brauchbaren Kriterien und bringt die Idee ins Spiel, Protokolle zu zertifizieren, statt die dahinterstehenden Parteien zuzulassen.
Das ist eine grundsätzliche Weichenstellung. Code zu zertifizieren heißt, die Aufsicht richtet sich darauf, was ein Protokoll tut, statt darauf, wer es betreibt — ein Ansatz, den es sonst nirgends im europäischen Finanzrecht gibt.
Und derweil schaut die ESMA in den Tresor
Unabhängig von der Konsultation hat die ESMA am 8. Juli eine gemeinsame Aufsichtsmaßnahme mit den nationalen Behörden begonnen. Thema: die digitale operationale Resilienz zugelassener Plattformen bei der Verwahrung von Kryptowerten. Konkret geht es um Governance, Schlüsselverwaltung und Speicherung, Transaktionskontrollen, Erkennung von Vorfällen, Risiken aus Smart Contracts und Abhängigkeit von externen Dienstleistern.
Es ist eine risikobasierte Stichprobe, nicht jede Plattform bekommt Besuch. Die Maßnahme läuft in der zweiten Hälfte 2026 bis in die erste Hälfte 2027, der Abschlussbericht geht in der zweiten Hälfte 2027 an das Aufsichtsgremium.
Genau an dieser Stelle ist eine Zulassung am meisten wert. Kapitalanforderungen stehen auf dem Papier; ob die Schlüssel zu deinen Coins wirklich getrennt und sicher verwahrt werden, zeigt sich erst, wenn jemand nachsieht.
Was du davon hast
Die Konsultation steht allen offen, nicht nur Lobbyisten und Kanzleien. Wer als Nutzer bei einer europäischen Plattform auf etwas Konkretes stößt, kann das bis zum 31. August dort melden, wo die Regeln geschrieben werden.
Erwarte kurzfristig keine Änderung. Eine Konsultation führt zu einem Vorschlag, der Vorschlag geht an Parlament und Rat, und das dauert Jahre. Was jetzt schon zählt: Wenn deine Plattform Guthaben in Stablecoins hält, dann wisse, wer der Emittent ist und wo er beaufsichtigt wird. An diesem Punkt wird diese Überarbeitung zuerst ziehen.
Quellen: Europäische Kommission (gezielte Konsultation zur MiCA-Überarbeitung, Antworten bis 31. August 2026), ESMA-Pressemitteilung vom 8. Juli 2026 zur gemeinsamen Aufsichtsmaßnahme, MiCA (Verordnung (EU) 2023/1114). Zuletzt geprüft: 4. August 2026.
