Kulipa stellt abrupt den Betrieb ein: 120.000 Kryptokarten über Nacht tot
Der Pariser Kartenherausgeber Kulipa stellte am 29. Juli den Betrieb ein, vier Monate nach einer Seed-Runde über 6,2 Millionen Dollar. Mehr als 120.000 Karten von rund zwanzig Partnern, darunter Solflare und Ready, funktionierten von einem Tag auf den anderen nicht mehr. Die Guthaben der Nutzer blieben unangetastet — dank einer einzigen Architekturentscheidung.
Ein zusammenbrechender Kartenherausgeber ist weder ein Hack noch ein Kurssturz, trifft die Geldbörse aber genauso hart. Das Pariser Unternehmen Kulipa stellte am 29. Juli wegen Solvenzproblemen den Betrieb ein. Kulipa gab selbst keine Karten an Verbraucher aus, sondern lieferte die Infrastruktur, mit der rund zwanzig Wallets und Kryptofirmen eigene Karten herausgaben — darunter Solflare und Ready. Berichten zufolge wurden dadurch mehr als 120.000 Karten unbrauchbar.
Vier Monate nach der Finanzierungsrunde
Anfang April sammelte Kulipa noch 6,2 Millionen Dollar (rund 5,4 Millionen Euro) in einer Seed-Runde ein, gemeinsam angeführt von Flourish Ventures und 1kx. Solflare erklärt, man habe gemeinsam mit Kulipa nach einem Käufer gesucht und Fortführungsoptionen geprüft — ohne Erfolg. Zwischen Finanzierungsrunde und Schließung lag damit etwa ein Quartal.
Die Architekturentscheidung, die den Unterschied machte
Das Bemerkenswerteste an dieser Schließung ist, was nicht geschah: Die Nutzer verloren ihr Geld nicht. Kulipa arbeitete mit Eigenverwahrung (Self-Custody) und hielt keine Kundenguthaben. Dein Guthaben blieb in deinem eigenen Wallet und wurde erst in dem Moment abgebucht, in dem du mit der Karte bezahlt hast. Als der Herausgeber fiel, lag bei Kulipa also nichts, was verloren gehen konnte.
Stell die Alternative daneben. Bei einer Karte, die du im Voraus auflädst, liegt dein Guthaben beim Herausgeber. Geht dieser insolvent, wird dein Geld zu einer Forderung gegen ein zahlungsunfähiges Unternehmen — und du reihst dich in die Schlange der Gläubiger ein.
Was tatsächlich schieflief
Die Kommunikation. Ready-Karteninhaber erhielten Berichten zufolge etwa eine Stunde Vorwarnung, bevor ihre Karte abgeschaltet wurde. Eine funktionierende Zahlungskarte ist kein Abo, das man später kündigt — schaltet man sie ohne Vorwarnung ab, steht man an der Kasse.
Worauf du achten solltest
Hinter fast jeder Kryptokarte steckt eine Kette: du → Wallet oder App → Kartenherausgeber → Kartennetzwerk → Bank. Der Name auf der Karte ist selten die Partei, die das Risiko trägt. Zwei Fragen lohnen sich vor dem Antrag: Hält der Anbieter ein Guthaben für dich, oder wird erst bei der Zahlung abgebucht? Und was passiert mit diesem Guthaben, wenn der Herausgeber ausfällt?
Solflare will innerhalb weniger Wochen eine neue Version seiner Karte starten — mit Apple Pay und Google Pay, höheren Limits und Cashback, erneut mit Eigenverwahrung.
Einschränkung
Dass die Nutzer ihr Geld behielten, ist eine Eigenschaft genau dieses Modells und keine allgemeine Garantie für Kryptokarten. Die Zahl von mehr als 120.000 Karten stammt zudem aus der Berichterstattung und nicht aus einer Mitteilung von Kulipa selbst; die genaue Zahl der betroffenen Nutzer ist nicht bestätigt.
Quellen: Wu Blockchain, Bitget News (Stellungnahme Solflare), Startup Fortune, Finextra. Umgerechnet zu USD→EUR 0,8675. Zuletzt geprüft: 2. August 2026.
