Grayscale will fast den gesamten Ether im ETF staken
Der Ethereum Staking Mini ETF von Grayscale hält gut 839.000 Ether, von denen inzwischen 80,8 Prozent gestakt sind. Eine geänderte Einreichung macht den Weg frei, fast alles zu staken und den Ertrag quartalsweise in bar auszuschütten.
Grayscale hat für den Ethereum Staking Mini ETF eine geänderte Treuhandurkunde eingereicht — den Fonds, der unter dem Ticker ETH gehandelt wird. Es geht um rund 839.556 Ether, von denen derzeit 80,8 Prozent tatsächlich gestakt sind. Die Änderung macht den Weg frei, diesen Anteil auf den gesamten Bestand auszuweiten: rund 161.000 Ether, die bislang stillliegen.
Die Bruttobelohnung liegt bei etwa 2,78 Prozent pro Jahr; nach Kosten bleiben davon 2,61 Prozent übrig. Die Verwaltungsgebühr des Fonds beträgt 0,15 Prozent.
Die eigentliche Änderung steckt in der Ausschüttung
Interessanter als die Prozentzahl ist, was mit dem Ertrag passiert. Grayscale behält die Staking-Belohnungen nicht als zusätzliche Ether, sondern wandelt sie in Bargeld um und schüttet dieses quartalsweise an die Anteilseigner aus.
Das ist eine steuerliche Entscheidung, keine technische. Die US-Steuerbehörde behandelt Staking-Belohnungen als gewöhnliches Einkommen in dem Moment, in dem du sie erhältst. Ein fortlaufender Strom von Mikrobelohnungen würde also einen fortlaufenden Strom steuerpflichtiger Ereignisse erzeugen. Eine Ausschüttung viermal im Jahr macht daraus vier dokumentierbare Zeitpunkte.
Die Kehrseite steht offen in den Unterlagen: Es entsteht eine doppelte Besteuerung in zwei Schritten. Die Belohnung ist bei Zufluss Einkommen, und die anschließende Umwandlung in Bargeld kann noch einmal Gewinn oder Verlust bringen — je nachdem, wie sich der Kurs zwischen Zufluss und Verkauf bewegt.
Dass das überhaupt geht, ist neu. Am 6. Januar 2026 nahm Grayscale mit dem größeren Ethereum Trust die erste amerikanische Staking-Ausschüttung überhaupt innerhalb einer klassischen Fondshülle vor, im Gegenwert von rund 9,4 Millionen Dollar (etwa 8,2 Millionen Euro). Damit war bewiesen, dass der regulatorische und steuerliche Rahmen das trägt.
Warum das für Europa zählt
Als europäischer Anleger kannst du diesen Fonds nicht kaufen. Amerikanische ETFs sind hier für Privatanleger nicht verfügbar, weil ihnen ein europäisches Informationsdokument fehlt. Trotzdem ist die Sache relevant, aus zwei Gründen.
Erstens schauen europäische ETP-Anbieter genau auf diese Konstruktion. Staking innerhalb eines regulierten Produkts war jahrelang die offene Frage; jetzt gibt es ein funktionierendes Modell, samt steuerlicher Abwicklung.
Zweitens der Vergleich, den du selbst ziehen kannst. Eine Nettorendite von 2,61 Prozent innerhalb eines Fonds ist nicht dasselbe, wie selbst zu staken. Wer selbst stakt, behält mehr, trägt aber das Risiko des Validators, die Auszahlungswarteschlange und die Schlüsselverwaltung. Wer es über ein Produkt macht, zahlt für die Bequemlichkeit. Was von beidem besser aufgeht, hängt von deinem Betrag ab und davon, wie viel Arbeit du dir damit machen willst.
Was dir das bringt
Achte bei einem europäischen Staking-Produkt auf die drei Punkte, die diese Einreichung scharf stellt. Wie viel des Bestands tatsächlich gestakt wird — 80 Prozent bringen 80 Prozent der Belohnung, nicht mehr. Was nach Kosten netto übrig bleibt. Und wie der Ertrag ausgezahlt wird: als zusätzliche Anteile, als Bargeld oder gar nicht.
Genau das bestimmt nämlich, wie du es angeben musst. In den Niederlanden fällt Krypto unter box 3: Dort zählt der Wert am Stichtag, nicht der Ertrag. In anderen europäischen Ländern funktioniert das anders, und bei einem ausschüttenden Produkt kann der Ertrag eigenständig besteuert werden. Das ist keine Steuerberatung, und die Regeln unterscheiden sich von Land zu Land — lege es jemandem vor, der deine Situation kennt, bevor du dich anhand der Bruttoprozentzahl entscheidest.
Quellen: Grayscale (geänderte Treuhandurkunde, Juli 2026), Crypto Briefing (7. August 2026), BeInCrypto. Zuletzt geprüft: 9. August 2026.
