Ein Firmware-Fehler machte Coldcard-Seeds erratbar: 1.367 Bitcoin weg
Ein Fehler aus dem März 2021 ließ Coldcard-Wallets ihren Seed mit einem Software-Generator statt mit dem Hardware-Chip erzeugen. Am 30. Juli wurden 1.196 Adressen in 41 Minuten geleert. Was du prüfen solltest, wenn du so ein Gerät hast.
Eine Hardware-Wallet soll der sicherste Platz für deine Bitcoin sein. Bei Coldcard stimmte das fünf Jahre lang nicht, und die Rechnung kam am 30. Juli 2026.
Was schiefgelaufen ist
Bei einer Firmware-Migration im März 2021 wurde die Seed-Erzeugung über den Pseudozufallsgenerator von MicroPython geleitet statt über den echten Hardware-Generator im Gerät selbst. Die Folge: Ein Seed, der 128 Bit Entropie tragen sollte, trug in der Praxis deutlich weniger. Rund 40 Bit auf Mk2 und Mk3, rund 72 Bit auf Mk4, Mk5 und Q.
Vierzig Bit sind kein theoretisches Problem. Das ist ein Suchraum, den ein Angreifer mit gewöhnlicher Hardware durchläuft. Wer auf so einem Gerät einen Seed erzeugt hat, hielt faktisch einen erratbaren Schlüssel.
41 Minuten, 1.196 Adressen
Die erste Welle lief am 30. Juli zwischen 1:10 und 1:51 Uhr UTC. In diesen 41 Minuten wurden 1.082,65 Bitcoin von 1.196 Adressen abgezogen, damals rund 70,2 Millionen Dollar wert, umgerechnet etwa 61,4 Millionen Euro. Beim letzten Stand liegt die Zahl bei 1.367,05 Bitcoin über 4.585 Adressen in drei Wellen: etwa 88,6 Millionen Dollar, also grob 77,5 Millionen Euro.
Zum Vergleich: Alle 24 im Juli getroffenen DeFi-Protokolle verloren zusammen 132,2 Millionen Dollar, etwa 115,7 Millionen Euro. Ein Fehler in einer Wallet wog also schwerer als ein ganzer Monat voller Exploits.
Welche Modelle und welche Versionen
Coinkite brachte am 31. Juli eine Notfall-Firmware heraus. Verwundbar sind: Mk2 und Mk3 in den Versionen 4.0.0 bis 4.1.9, behoben in 4.2.0. Mk4 und Mk5 in allem vor 5.6.0. Das Q in allem vor 1.5.0Q. Bei den Edge-Builds geht es um alles vor 6.6.0X (Mk4 und Mk5) und 6.6.0QX (Q).
Tapsigner, Opendime und Satscard laufen auf einer anderen Codebasis und sind nicht betroffen.
Was du jetzt tun solltest
Nur updaten reicht nicht. Neue Firmware repariert den Generator, aber nicht den Seed, den du 2021 oder später erzeugt hast. Der bleibt schwach.
Wurde dein Seed auf einem der genannten Geräte erzeugt, dann lege auf gepatchter Firmware einen neuen Seed an und verschiebe deine Coins dorthin. Stelle den alten Seed nicht auf einem anderen Gerät wieder her, sonst nimmst du das Problem einfach mit. Coinkite weist darauf hin, dass ein Seed aus mindestens fünfzig fairen, unabhängigen Würfelwürfen durch diesen Fehler allein nicht knackbar ist.
Was du davon hast
Der praktische Punkt ist nicht, dass Coldcard schlecht wäre. Der Punkt ist, dass "Hardware-Wallet" für sich genommen keine Garantie ist: Du vertraust einem Stück Code, das du im Betrieb nicht einsehen kannst. Wer selbst Entropie mit Würfeln beisteuert oder einen Seed über zwei unabhängige Wege prüft, hängt nicht an dieser einen Annahme.
Und wenn du ein altes Gerät in der Schublade liegen hast und nicht mehr weißt, welche Firmware darauf lief: Genau dann ist Verschieben billiger als Nachforschen.
Quellen: The Hacker News (1. August 2026), Privacy Guides (2. August 2026), Coinmonks-Monatsübersicht (4. August 2026), Firmware-Hinweis von Coinkite. Umrechnung in Euro zu einem Kurs von 0,875. Zuletzt geprüft: 5. August 2026.
