Coldcard-Diebstahl steigt auf 1.816 Bitcoin und über 5.200 Adressen
TRM Labs zählt inzwischen rund 1.816 Bitcoin, etwa 116 Millionen Dollar (rund 101,5 Millionen Euro), verteilt auf mehr als 5.200 Adressen. Coinkite hat den Versand gestoppt und den Restbestand mit der anfälligen Firmware vernichtet.
Der Schaden aus der Coldcard-Lücke fällt deutlich größer aus als vor einer Woche angenommen. TRM Labs veröffentlichte am 5. August 2026 eine On-Chain-Analyse, die das Gesamtvolumen auf rund 1.816 Bitcoin beziffert, etwa 116 Millionen Dollar oder rund 101,5 Millionen Euro. Betroffen sind mehr als 5.200 Adressen. Frühere Schätzungen reichten von 38 bis 130 Millionen Dollar; die Zahlen von TRM sind die ersten, die auf einem vollständigen Address-Clustering beruhen, und lösen die verstreuten Angaben der vergangenen Woche ab.
Wo es schiefging
Die Ursache liegt im Build, nicht im Chip. In Firmware-Version 4.0.1 vom März 2021 war die Konfiguration so gesetzt, dass die Seed-Erzeugung über den softwarebasierten Pseudozufallsgenerator von MicroPython lief statt über den Hardware-RNG des Geräts. Das Design ging von 128 Bit Entropie aus. Tatsächlich blieben laut Analyse bei älteren Geräten teilweise nicht mehr als 40 Bit übrig. Einen Schlüsselraum dieser Größe kann man mit heutiger Rechenleistung schlicht durchgehen.
Das erklärt auch das Muster des Diebstahls. Die erste Welle am 30. Juli holte in rund 25 Minuten fast 594 Bitcoin aus etwa 500 Wallets. Drei weitere Wellen folgten über vier Tage. Ein Teil der letzten Transaktionen lag zum Redaktionsschluss noch im Mempool.
Auffallend wenig Geldwäsche
Wer 1.816 Bitcoin stiehlt, taucht üblicherweise in den Mixern auf. Das geschah kaum. TRM sieht eine einzelne Einzahlung von 64,9 Bitcoin bei Wasabi und 200 Ether an Tornado Cash am 4. August, dazu einen Konsolidierungsschritt. Von echtem Layering keine Spur. Das kann heißen, dass der Täter noch nicht fertig ist, oder dass ihn Nachverfolgbarkeit wenig kümmert.
Was Coinkite unternimmt
Coinkite teilte am 3. August mit, alle Auslieferungen gestoppt und den Restbestand mit der anfälligen Firmware vernichtet zu haben. Kunden werden direkt mit einem Hinweis und Migrationsschritten angeschrieben. Das Unternehmen erklärt, die volle Aufmerksamkeit gelte jetzt der sicheren Migration betroffener Nutzer.
Was du davon hast
Hast du eine Coldcard, die im März 2021 oder später in Betrieb ging, geh davon aus, dass die Seed unsicher ist, bis du das Gegenteil festgestellt hast. Erzeuge eine neue Seed auf einem Gerät mit aktueller Firmware oder nimm eine andere Hardware Wallet, und verschiebe dein Guthaben dorthin. Ein Firmware-Update allein repariert nichts: Ein Schlüssel, der mit zu wenig Entropie entstanden ist, bleibt schwach, so neu die Software darüber auch sein mag. Prüfe außerdem, ob deine Passphrase getrennt aufbewahrt wird, denn sie ist hier die einzige verbliebene zusätzliche Schicht.
Quellen: TRM Labs (On-Chain-Analyse, 5. August 2026), Benzinga (Reaktion von Coinkite, 3. August 2026). Zuletzt geprüft: 6. August 2026.
